Wir schreiben den 31.Mai 1689. Oppenheim ist dem Untergang geweiht. Der französische Leutnant Ezéchiel de Mélac steht vor der Stadt und hat nur ein Ziel: die vollständige Zerstörung Oppenheims. Ein Ruf des Terrors hallt Mélac voraus. Wochen zuvor haben seine Truppen Mannheim, Worms und Speyer in Schutt und Asche gelegt. Der Französische Erbfolgekrieg ist auf seinem Höhepunkt. Am nächsten Morgen liegt die Stadt Oppenheim in Trümmern. Die Burg Landskron, vor der wir hier stehen: eine Ruine. Das ist sie bis heute.
Dabei hatte die 1244 erstmals erwähnte Burg in ihrer Geschichte schon einige Angriffe einstecken müssen. Denn die verkehrstechnisch günstige und strategisch wichtige Lage Oppenheims war Fluch und Segen zugleich. Die Handelswege entlang des Rheins machten Stadt und Burg reich: durch Zölle und Steuern auf durchgeführte Handelswaren. Andererseits geriet Oppenheim so auch immer wieder ins Spannungsfeld der vielen Kriege, Konflikte und Bündnisse zwischen Königen, Kaisern und Kirchenfürsten, die sich durch die Jahrhunderte zogen.
Sogar von den Oppenheimern selbst wurde die Burg einmal zerstört. Als die sogenannten Burgmannen – also die Adeligen, die von keinem Geringeren als dem König auf der Burg eingesetzt wurden – sich immer mehr in die Politik der eigentlich unabhängigen Stadt einmischten und über Rat und Gericht bestimmen wollten. Da hatten die Bürger genug und zerstörten die Burg kurzerhand. Das war im Jahr 1257. Und weil die Burgmannen dann immer noch keine Ruhe gaben: 1275 gleich noch einmal!
Vom Angriff der Franzosen 1689 aber erholte sich die Burg Landskron nicht mehr. Sie diente in den folgenden Jahren als Steinbruch für den Wiederaufbau der Stadt. Viele ihrer Steine wurden 1764 auch zum Ausbau der Straße nach Worms verwendet.
Dennoch ist die Form der Burg in Teilen noch zu erahnen. Im Inneren sind die Fundamente des mächtigen Bergfrieds erkennbar. Auch das Das dreigeschossige Wohngebäude, der Palas aus dem 16 Jahrhundert, ist noch sichtbar.
Heute wird die Anlage hier friedlicher genutzt. Hier ist nun die Muse eingezogen. An schönen Sommertagen finden im Innern der Burg Festspiele, Konzerte und Theateraufführungen statt. Und das ist wohl auch besser so, oder?